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SysKonnect Ratgeber für Netzwerktechnik

Netzwerkkarten

10-Gigabit-Netzwerkkarte: wann sich der Sprung wirklich lohnt

10 Gigabit im Heimnetz und kleinen Büro: Welche Anwendungsfälle den Aufwand rechtfertigen, wie viele PCIe-Lanes nötig sind, warum Kupfer heiß wird und wo 2,5 Gigabit der bessere Kompromiss ist.

Von Redaktion SysKonnect

Kurz gesagt

10 Gigabit lohnt sich, wenn große Dateien regelmäßig zwischen Rechner und schnellem Speicher wandern - Videoschnitt, Backups, virtuelle Maschinen. Für alles andere ist 2,5 Gigabit über vorhandene Kabel der deutlich günstigere Weg.

10 Gigabit ist im Heimnetz längst bezahlbar geworden - und trotzdem in den meisten Haushalten überflüssig. Der Unterschied zwischen sinnvoller Investition und teurer Enttäuschung liegt in einer einzigen Frage: Was liegt am anderen Ende der Leitung?

Die Fälle, in denen es sich lohnt

Videoschnitt vom Netzlaufwerk. Wer 4K-Material direkt vom NAS schneidet, merkt den Unterschied sofort. Gigabit liefert etwa 110 MByte/s, das ist für hochbitratiges Material zu wenig.

Große Backups mit festem Zeitfenster. Wenn nachts mehrere hundert Gigabyte gesichert werden, verkürzt sich das Fenster um den Faktor der Bandbreite - vorausgesetzt, die Datenträger auf beiden Seiten kommen mit.

Virtualisierung und iSCSI. Wenn virtuelle Maschinen auf zentralem Speicher liegen, ist das Netz Teil des Speicherpfads. Hier zahlt sich Bandbreite direkt in Reaktionszeit aus.

Wenn dagegen der schnellste Datenträger im Netz eine einzelne Festplatte mit 150 MByte/s ist, endet der Gewinn genau dort - unabhängig davon, was die Karte könnte.

Der Steckplatz ist die häufigste Bremse

Eine 10-Gigabit-Verbindung überträgt rund 1,25 GByte/s pro Richtung. Damit ist ein PCIe-x1-Slot der ersten oder zweiten Generation überfordert. Als Richtwert:

SteckplatzGrobe ObergrenzeFür 10 Gigabit
PCIe 2.0 x1rund 500 MByte/szu wenig
PCIe 2.0 x4rund 2 GByte/sausreichend
PCIe 3.0 x1rund 1 GByte/sknapp, Einbußen möglich
PCIe 3.0 x4rund 4 GByte/sreichlich

Wichtig ist die elektrische Anbindung, nicht die Bauform des Slots: Ein mechanischer x16-Slot kann elektrisch mit x1 angebunden sein. Das steht im Mainboard-Handbuch.

Kupfer oder Glasfaser

10GBase-T über Kupfer nutzt normale RJ-45-Stecker und passt in vorhandene Strukturen. Preis dafür ist der Stromverbrauch: Solche Karten werden spürbar warm und gehören nicht in ein luftloses Gehäuse.

SFP+ mit Glasfaser oder Direktkabel ist sparsamer und im Serverumfeld verbreitet. Für kurze Strecken im Rack sind Direktkabel die einfachste Lösung, für längere Wege Glasfaser mit passenden Modulen. Dass Glasfaser im Serverbereich nichts Neues ist, zeigt schon die Modellhistorie der alten SK-Adapter, bei denen 1000Base-LX zum Standardsortiment gehörte.

Der Kompromiss, den viele übersehen

Zwischen 1 und 10 Gigabit liegen 2,5 und 5 Gigabit. Der Reiz von 2,5 Gigabit: Es läuft über vorhandene Cat-5e-Verkabelung, die Geräte sind sparsam und günstig, und viele aktuelle Mainboards bringen es bereits mit. Für Haushalte, denen Gigabit gelegentlich zu knapp wird, ist das fast immer die bessere Wahl - Details zur Verkabelung im Kabelvergleich.

Das Gesamtbild muss stimmen

Eine 10-Gigabit-Karte allein bringt nichts. Es braucht mindestens einen Switch mit passenden Ports (siehe Switch kaufen), auf beiden Seiten Datenträger, die den Durchsatz liefern, und Treiber, die die Last über mehrere Prozessorkerne verteilen. Bei größeren Umbauten lohnt vorher ein Blick auf die Finanzierung, weil Switch, Karten und Verkabelung zusammen schnell im vierstelligen Bereich landen.

Häufige Fragen

Reicht mein Cat-5e-Kabel für 10 Gigabit?

Auf kurzen Strecken bis etwa 45 Metern funktioniert es oft, garantiert ist es nicht. Für zuverlässige 10 Gigabit über Kupfer ist Cat 6a vorgesehen. Vorhandene Cat-5e-Strecken tragen dagegen 2,5 Gbit/s zuverlässig.

Warum wird meine 10-Gigabit-Karte so heiß?

10GBase-T über Kupfer braucht viel Signalverarbeitung, entsprechend hoch ist die Verlustleistung. Karten mit passivem Kühlkörper gehören in ein Gehäuse mit etwas Luftstrom, sonst drosseln sie oder fallen aus.

Bringt 10 Gigabit beim Surfen etwas?

Nein. Der Internetanschluss ist in aller Regel das Limit. 10 Gigabit wirkt nur zwischen Geräten im eigenen Netz.