Kurz gesagt
Entscheidend ist der Chipsatz, nicht der Markenname auf der Verpackung: Er bestimmt, ob ein Treiber schon im Betriebssystem steckt, wie viel Arbeit die Karte dem Prozessor abnimmt und welche Funktionen wie VLAN, Jumbo Frames oder Wake on LAN überhaupt zur Verfügung stehen.
Netzwerkkarten sehen sich äußerlich alle ähnlich: eine Buchse, eine Halteblende, ein Steckkontakt. Die Unterschiede stecken im Chipsatz und im Steckplatz, und genau dort entscheidet sich, ob die Karte im Betriebssystem sofort erkannt wird oder ob die Fehlersuche beginnt.
Der Chipsatz entscheidet über den Treiber
Betriebssysteme bringen Treiber nicht für Kartenmodelle mit, sondern für Chips. Zwei Karten unterschiedlicher Hersteller mit demselben Chip nutzen dasselbe Modul; zwei Karten desselben Herstellers mit unterschiedlichen Chipgenerationen nicht. Deshalb ist die PCI-ID die einzige Angabe, auf die man sich beim Kauf verlassen kann. Wie man sie ausliest und welches Modul dazugehört, steht im Bereich Netzwerktreiber.
Für die klassischen Chipfamilien gilt: Intel-Chips (i210, i225, X540, X550) sind in nahezu jedem System ab Werk versorgt, Realtek-Chips ebenfalls, wenn auch mit gelegentlichen Eigenheiten bei Energiesparfunktionen. Ältere Marvell- und Genesis-Chips, wie sie auf den SK-Adaptern sitzen, bedient der Linux-Kernel bis heute über skge und sky2.
Der Steckplatz begrenzt den Durchsatz
Eine Gigabit-Karte braucht wenig: Ein einzelner PCIe-Lane der ersten Generation reicht rechnerisch für 1 Gbit/s in beide Richtungen. Bei 10 Gigabit sieht es anders aus. Dort werden mindestens zwei Lanes der zweiten Generation oder eine Lane der dritten benötigt, damit die Karte ihre Nennleistung erreicht. Steckt eine x4-Karte in einem elektrisch angebundenen x1-Slot, bricht der Durchsatz ein, ohne dass ein Fehler gemeldet wird. Details dazu stehen im Ratgeber zu 10-Gigabit-Karten.
Ports, Teaming und Redundanz
Karten mit zwei oder vier Anschlüssen sind kein Server-Luxus, sondern erfüllen zwei praktische Zwecke: Ausfallsicherheit, wenn ein Kabel oder ein Switch-Port stirbt, und Trennung von Netzen, etwa Verwaltung und Nutzdaten. Der Durchsatz einer einzelnen Verbindung steigt durch Bündelung dagegen nicht - das ist der am häufigsten missverstandene Punkt und im Beitrag zu Dual-Port-Karten ausführlich erklärt.
Wenn kein Steckplatz frei ist
Notebooks und kompakte Rechner haben oft gar keinen Steckplatz mehr. Dort übernimmt ein USB-Adapter, dessen Grenzen aber klar benannt gehören: Der USB-Anschluss muss schnell genug sein, und der Chip im Adapter bestimmt wieder die Treiberfrage. Was in der Praxis funktioniert, steht unter USB-LAN-Adapter.
Erst das Netz, dann die Karte
Eine schnellere Karte bringt nichts, wenn Switch oder Verkabelung nicht mitspielen. Wer neu plant, sortiert am besten zuerst die Verkabelung und den Switch und kauft die Karten danach. Steht eine größere Anschaffung an, lohnt vorher ein Blick auf die Finanzierungsseite: Bei Hardware mit vier bis fünf Jahren Nutzungsdauer fällt die Rechnung anders aus als bei einem Einzelgerät.