Netzwerkkarten
Server-Netzwerkkarten mit zwei Ports: Bonding, Redundanz, Trennung
Was Dual-Port-Karten wirklich leisten: Ausfallsicherheit und getrennte Netze statt doppelter Geschwindigkeit. Die Bonding-Modi im Überblick und wann sich eine zweite Karte mehr lohnt als ein zweiter Port.
Von Redaktion SysKonnect
Kurz gesagt
Zwei Ports verdoppeln nicht die Geschwindigkeit einer einzelnen Verbindung. Sie bringen Ausfallsicherheit, zusätzlichen Gesamtdurchsatz bei vielen parallelen Verbindungen und die saubere Trennung von Verwaltungs- und Nutzdaten.
Dual-Port-Karten haben einen hartnäckigen Ruf: Sie würden das Netz verdoppeln. Das stimmt nicht - und trotzdem sind sie in vielen Aufbauten die sinnvollste Karte, die man kaufen kann. Man muss nur wissen, wofür.
Was zwei Ports tatsächlich bringen
Ausfallsicherheit. Fällt ein Kabel, ein Switch-Port oder ein Transceiver aus, übernimmt der zweite Port. Für Dienste, die erreichbar bleiben müssen, ist das der eigentliche Grund für die Anschaffung.
Mehr Gesamtdurchsatz bei vielen Verbindungen. Ein Server, der zwanzig Clients gleichzeitig bedient, kann die Last auf beide Ports verteilen. Die einzelne Übertragung bleibt bei Gigabit-Tempo, die Summe steigt.
Getrennte Netze. Verwaltung und Nutzdaten, Backup-Netz und Produktivnetz, DMZ und internes Netz: Zwei physische Ports trennen sauberer als jede Softwarelösung.
Was zwei Ports nicht bringen: Eine einzelne Datei wird nicht schneller kopiert. Eine TCP-Verbindung läuft über genau einen Pfad, weil Pakete sonst in falscher Reihenfolge ankämen.
Die Bonding-Modi in der Praxis
Unter Linux fasst das Bonding-Modul mehrere Schnittstellen zusammen. Drei Modi decken fast alle Fälle ab:
- active-backup - ein Port sendet, der andere wartet. Braucht keine Switch-Unterstützung, ist der robusteste Modus und die richtige Wahl, wenn es nur um Ausfallsicherheit geht.
- 802.3ad (LACP) - beide Ports arbeiten in einer ausgehandelten Bündelung. Setzt einen Switch voraus, der LACP beherrscht und auf den passenden Ports konfiguriert ist.
- balance-alb - verteilt ohne Switch-Unterstützung anhand der MAC-Adressen. Funktioniert, ist aber empfindlicher gegenüber ungewöhnlichen Netzkonstellationen.
Unter Windows Server heißt dieselbe Funktion NIC-Teaming und kennt vergleichbare Modi.
Wichtig ist in allen Fällen: Der Bund darf nicht halb konfiguriert bleiben. Ein LACP-Bund auf dem Server ohne passende Konfiguration am Switch führt zu Paketverlusten, die schwer zu finden sind, weil die Verbindung grundsätzlich steht.
Auswahl der Karte
Bei Server-Karten zählt neben dem Chipsatz vor allem, wie viele Warteschlangen die Karte anbietet: Mehrere Sende- und Empfangs-Queues verteilen Unterbrechungen auf mehrere Prozessorkerne, was unter Last spürbar hilft. Karten mit nur einer Queue pro Richtung lasten einen einzelnen Kern aus und bremsen dann dort.
Der Steckplatz sollte mindestens x4 sein - zwei Gigabit-Ports passen zwar noch in x1, für Dual-Port-10-Gigabit reicht das nicht, siehe 10-Gigabit-Karten.
Die alten Server-Adapter, die unter dieser Domain einmal vertrieben wurden, folgten übrigens demselben Muster: Modelle mit einem und mit zwei Anschlüssen, Kupfer oder Glasfaser, mit Unterstützung für Link Aggregation nach 802.3ad. Die Modellübersicht steht im SK-Adapter-Archiv, die passenden Linux-Module unter sk98lin, skge und sky2.
Vor dem Kauf: passt der Switch?
Bündelung und VLAN-Trennung setzen einen Switch voraus, der beides kann. Welche Gerätekategorie dafür nötig ist und wo ein einfaches Modell reicht, steht unter Switch kaufen.
Häufige Fragen
Wird eine einzelne Dateiübertragung durch Bonding schneller?
Nein. Eine TCP-Verbindung läuft immer über genau einen Port, sonst kämen die Pakete durcheinander an. Schneller wird nur die Summe vieler gleichzeitiger Verbindungen.
Brauche ich für Bonding einen managed Switch?
Für LACP nach 802.3ad ja, dort muss der Switch die Bündelung kennen. Aktiv-Passiv-Redundanz funktioniert dagegen mit jedem Switch, weil immer nur ein Port sendet.
Zwei Ports auf einer Karte oder zwei einzelne Karten?
Für Redundanz sind zwei getrennte Karten besser, weil dann auch der Ausfall einer Karte abgefangen wird. Für Netztrennung reicht eine Dual-Port-Karte, die dafür nur einen Steckplatz belegt.