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SysKonnect Ratgeber für Netzwerktechnik

Netzwerkkarten

Gigabit-Netzwerkkarte für PCIe: Auswahl, Einbau, Einstellungen

Worauf es bei einer Gigabit-Karte wirklich ankommt: Chipsatz statt Marke, der passende Steckplatz, Treiberunterstützung ab Werk und die Einstellungen, die nach dem Einbau tatsächlich etwas bringen.

Von Redaktion SysKonnect

Kurz gesagt

Für Gigabit reicht ein einzelner PCIe-Lane völlig aus. Entscheidend ist der Chipsatz: Karten mit Intel- oder Realtek-Chips werden von Linux und Windows ab Werk erkannt, exotische Chips führen zu Treibersuche. Der Rest ist Einbau und zwei, drei Einstellungen.

Eine Gigabit-Netzwerkkarte ist heute ein günstiges Bauteil. Genau deshalb wird beim Kauf oft auf das Falsche geachtet: auf die Marke, auf die Verpackung, auf Werbebegriffe. Die drei Fragen, die tatsächlich zählen, sind schnell beantwortet.

Frage 1: Welcher Chipsatz sitzt darauf?

Betriebssysteme kennen keine Kartenmodelle, sie kennen Chips. Karten mit Intel-Chips (etwa i210 oder i211) und Realtek-Chips (etwa RTL8168/8111) werden von jeder aktuellen Linux-Distribution und von Windows ohne Zutun erkannt. Bei No-Name-Karten mit undokumentiertem Chip beginnt dagegen genau die Suche, die man sich sparen wollte.

Praktischer Test vor dem Kauf: Wenn im Angebot kein Chipsatz genannt wird, ist das ein Warnsignal. Nach dem Einbau lässt sich der Chip mit lspci -nn prüfen; die vierstellige Hersteller- und Geräte-ID ist die verlässliche Angabe, nicht der Produktname. Mehr dazu im Treiber-Bereich.

Frage 2: Passt der Steckplatz?

Gigabit braucht wenig Anbindung. Rechnerisch liegt eine PCIe-Lane der ersten Generation bei 250 MByte/s pro Richtung, ein Gigabit-Port bei 125 MByte/s. Ein x1-Slot reicht also mit Reserve. Wichtig ist nur:

  • Der Slot muss elektrisch angebunden sein. Manche Mainboards schalten Slots ab, sobald bestimmte M.2-Steckplätze belegt sind - das steht im Handbuch, nicht auf dem Board.
  • Bei kleinen Gehäusen zählt die Blende: Low-Profile-Karten liegen meist mit beiden Blenden bei, die passende muss montiert werden.

Anders sieht es bei 10-Gigabit-Karten aus, die deutlich mehr Anbindung brauchen.

Frage 3: Braucht es die Zusatzfunktionen?

Für den Hausgebrauch selten, im kleinen Büro manchmal:

  • VLAN-Tagging trennt Netze auf demselben Kabel, etwa Gäste und Arbeitsplätze.
  • Wake on LAN startet den Rechner über das Netz, praktisch bei Servern und Backup-Zielen.
  • Jumbo Frames senken die Prozessorlast bei großen Übertragungen, müssen aber auf allen beteiligten Geräten gleich eingestellt sein.
  • Boot über das Netz (PXE) ist im Heimnetz Nische, in verwalteten Umgebungen Standard.

Einbau in fünf Minuten

Rechner vom Strom trennen, Gehäuse öffnen, Karte fest in den Slot drücken, verschrauben, Deckel zu. Nach dem Start prüfen, ob das System die Karte sieht:

ip link
lspci -nnk | grep -A 3 -i ethernet

Erscheint eine neue Schnittstelle, ist die Hardwareseite erledigt. Erscheint keine, hilft die Fehlersuche.

Was nach dem Einbau wirklich etwas bringt

Zuerst der Blick auf die ausgehandelte Geschwindigkeit:

ethtool enp3s0 | grep -i speed

Steht dort 100 Mbit/s statt 1000, liegt es fast immer am Kabel oder an einer defekten Ader, nicht an der Karte. Welche Kabelkategorie was leistet, steht im Kabelvergleich.

Danach lohnt sich der Test des realen Durchsatzes zwischen zwei Rechnern statt eines Blicks aufs Datenblatt. Werte um 940 Mbit/s sind das erreichbare Maximum. Bleibt es deutlich darunter, ist meist die Gegenstelle, der Switch oder eine langsame Festplatte die Bremse - siehe Switch kaufen.

Wenn kein Steckplatz frei ist

Dann bleibt der Weg über USB. Das funktioniert besser als sein Ruf, hat aber eigene Grenzen: USB-LAN-Adapter im Überblick.

Häufige Fragen

Ist eine teure Gigabit-Karte schneller als eine günstige?

Im Durchsatz nicht - das Limit setzt der Standard bei 1 Gbit/s. Unterschiede zeigen sich in der Prozessorlast, in der Stabilität unter Dauerlast und bei Zusatzfunktionen wie VLAN, größeren Puffern und Wake on LAN.

Muss ich den Treiber vom Hersteller installieren?

In den meisten Fällen nicht. Linux bringt die passenden Module mit, Windows lädt den Treiber über Windows Update. Nur bei sehr neuen oder sehr exotischen Chips lohnt der Blick auf die Herstellerseite.

Warum bekomme ich nur rund 940 Mbit/s statt 1000?

Das ist der Normalfall. Rahmen, Prüfsummen und Protokoll-Overhead kosten Bandbreite. Werte zwischen 930 und 950 Mbit/s bei einer TCP-Übertragung entsprechen einer voll funktionierenden Gigabit-Verbindung.