Treiber
Netzwerkkarte wird nicht erkannt: Fehlersuche in sieben Schritten
Wenn der Adapter weder unter Linux noch im Geräte-Manager auftaucht: die Prüfschritte in der Reihenfolge, die am schnellsten zum Ergebnis führt - von der Stromversorgung über den Steckplatz bis zum fehlenden Modul.
Von Redaktion SysKonnect
Kurz gesagt
Erst prüfen, ob die Hardware überhaupt am Bus erscheint (lspci beziehungsweise Geräte-Manager), dann das Modul, dann die Konfiguration. Wer mitten in der Kette anfängt, sucht am falschen Ende. In den meisten Fällen liegt es am Steckplatz, an einer UEFI-Einstellung oder an fehlender Firmware.
Eine Netzwerkkarte, die nirgends auftaucht, sieht nach einem Defekt aus - ist es aber selten. Die folgende Reihenfolge arbeitet von der Hardware nach oben und spart die Suche an der falschen Stelle.
1. Sitzt die Karte richtig?
Klingt banal, ist aber der häufigste Fall bei frisch eingebauten Karten. Rechner vom Strom trennen, Karte herausnehmen, Kontakte ansehen, gerade und vollständig wieder einsetzen. Bei Low-Profile-Karten prüfen, ob die richtige Blende montiert ist - eine zu große Blende verhindert, dass die Karte ganz einrastet.
2. Ist der Steckplatz überhaupt aktiv?
Viele Mainboards teilen sich PCIe-Lanes zwischen Slots und M.2-Anschlüssen. Ist der zweite M.2-Steckplatz belegt, kann ein PCIe-Slot elektrisch abgeschaltet sein. Das steht im Mainboard-Handbuch, nicht auf dem Board. Gegentest: Karte in einen anderen Steckplatz.
3. Erscheint die Karte am Bus?
lspci -nn | grep -i -E "ethernet|network"
Unter Windows entspricht dem der Geräte-Manager mit eingeblendeten ausgeblendeten Geräten. Bei USB-Adaptern:
lsusb
Erscheint hier nichts, ist es ein Hardware- oder Steckplatzproblem - alle weiteren Softwareschritte wären verlorene Zeit. Zurück zu Punkt 1 und 2, dann Gegentest in einem anderen Rechner.
Erscheint die Karte, geht es weiter mit Punkt 4.
4. Ist ein Modul geladen?
lspci -nnk | grep -A 3 -i ethernet
Fehlt die Zeile Kernel driver in use, ist kein Treiber aktiv. Steht darunter aber ein Eintrag bei Kernel modules, kennt der Kernel ein passendes Modul und es lässt sich nachladen - der komplette Ablauf steht unter Linux-Netzwerktreiber einrichten.
Bei älteren Karten lohnt der Blick, ob nicht ein veralteter Herstellertreiber das Kernel-Modul blockiert: sk98lin, skge und sky2.
5. Was sagt das Kernel-Log?
dmesg | grep -i -E "eth|link|firmware" | tail -30
Hier stehen die konkreten Gründe: fehlende Firmware-Datei mit Namen, abgelehnte Initialisierung, Zuweisungsprobleme bei Interrupts. Eine fehlende Firmware löst in der Regel das Paket linux-firmware der Distribution.
6. Ist die Schnittstelle nur deaktiviert?
ip link
sudo ip link set enp3s0 up
Eine Schnittstelle im Zustand DOWN ist vorhanden, aber abgeschaltet. Bei Windows entspricht das einem deaktivierten Adapter in den Netzwerkverbindungen. Nach dem Hochfahren prüfen, ob eine Verbindung ausgehandelt wird:
ethtool enp3s0 | grep -i -E "speed|link detected"
7. Liegt es am Kabel oder am Switch?
Link detected: no bedeutet: Die Karte funktioniert, sieht aber keine Gegenstelle. Jetzt zählt die Strecke - anderes Kabel, anderer Switch-Port, andere Dose. Defekte Adern sind der häufigste Grund für eine Verbindung, die nur mit 100 statt 1000 Mbit/s aushandelt. Hintergrund im Kabelvergleich und unter Switch kaufen.
Wenn nichts hilft
Bleibt die Karte auch im Zweitrechner unsichtbar, ist sie vermutlich defekt. Bei sehr alten Modellen kommt hinzu, dass moderne Systeme sie zwar noch am Bus sehen, aber kein aktueller Treiber mehr existiert - dann führt kein Weg an einem neuen Adapter vorbei. Steht ein größerer Umbau an, lohnt der Blick auf Dual-Port-Karten, die gleich einen Reserveport mitbringen.
Häufige Fragen
Die Karte erscheint in lspci, hat aber keine Schnittstelle. Was fehlt?
Dann ist die Hardware erkannt, aber kein Treiber geladen. lspci -k zeigt, ob der Kernel ein passendes Modul kennt; dmesg nennt den Grund, wenn das Laden fehlschlägt - häufig eine fehlende Firmware-Datei.
Kann es am UEFI liegen?
Ja. Manche Boards deaktivieren PCIe-Steckplätze, sobald bestimmte M.2-Slots belegt sind, andere haben Optionen für Legacy-Geräte oder für den Onboard-Adapter, die zusätzlich hineinspielen.
Woran erkenne ich einen echten Defekt?
Wenn die Karte in einem zweiten Rechner ebenfalls nicht am Bus erscheint und auch in einem anderen Steckplatz nichts meldet, ist ein Defekt wahrscheinlich. Alles davor ist meist Konfiguration.